Plurale Reflexionen in Hannover

Nach unserem letzten Treffen in der prachtvollen Jugendkirche Hannover, bei dem es noch um eine Auswahl der Sammelband-Beiträge ging, zog es uns nun ins gemütliche Tagungshaus Gleisdreieck. Drei Tage verbrachten wir dort um den weiteren Prozess zu organisieren, sowie vor allem die finalen Entwürfe zu reflektieren und in ihrer jeweiligen Argumentationslinie zu stärken. Dabei tauchten wir gemeinsam mit rund 50 interessierten Studierenden und (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen in die bisher entwickelten Perspektiven der Beiträge ein. Perspektiven, die derzeit in der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre oftmals kaum bis gar keine Rolle spielen. Mit diesem Bericht möchten wir Euch einen weiteren Zwischenstand zu unserem Sammelband-Projekt geben.

Wir haben im Herbst 2015 die Möglichkeit erhalten, ein Buch in der Reihe „Wirtschaft + Gesellschaft“ im Springer Verlag für Sozialwissenschaften zu veröffentlichen. Aus diesem Angebot entwickelten wir – im Laufe des Prozesses – ein immer umfangreicheres Projekt, an dessen Ende ein Sammelband mit voraussichtlich 18 Beiträgen stehen wird. Nach einem Call for Papers, der Auswahl der Exposés im Mai 2016 (einer Auswahl, die uns bei den vielen interessanten Einreichungen nicht leicht fiel), startete die erste Schreibphase. Die ersten Entwürfe trudelten dann im August/September beim Redaktionsteam ein. Es folgte eine Phase des Feedbacks: Fragen zu Formalia und Stil, aber auch Inhalten wurden mit den Autor*innen geklärt. In einer zweiten Schreibphase galt es dann, die Beiträge entsprechend zu schärfen. Im November erhielten wir daraufhin die überarbeiteten bzw. finalen Entwürfe. Diese bildeten die Diskussionsbasis für unser Kolloquium am 03. Dezember. Dazu hatten wir nicht nur die Autor*innen, sondern auch interessierte Studierende und Wissenschaftler*innen eingeladen.

Zunächst trafen wir uns vom Redaktionsteam am Freitag (02.12.) um den bisherigen Prozess und letzte Vorbereitungen für das Kolloquium zu organisieren. Wir formulierten unter anderem das Kernelement der Diskussionsworkshops: zwei Leitfragen, die eine fokussierte Diskussion fördern sollten. Einerseits war es uns wichtig den Bezug der Beiträge zur Pluralen Ökonomik zu schärfen. Indem wir fragten:

  • Welches sind die wichtigsten Anknüpfungspunkte zur Pluralen Ökonomik und warum?

Andererseits wollten wir gerne, dass die Autor*innen weitere konkrete Anregungen und Einschätzungen erhielten, um an ihrem Beitrag noch weiter feilen zu können. Wir fragten daher:

  • Was sind die Stärken der Argumentationslinie und welche Aspekte sollten noch geschärft werden?

Zudem erhielten wir von unserer Moderatorin Vera einen “Crash-Kurs” in die Prinzipien der Moderation. Alle Workshops wurden nämlich durch Mitglieder des Redaktionsteams moderiert. So sollten sich die Autor*innen sowie Teilnehmenden komplett auf die Auseinandersetzung mit den Inhalten konzentrieren können. Da sich die Vorbereitungen bis in die späten Abendstunden hinzogen, ging es danach direkt in die Betten.

Am nächsten Morgen (03.12.) trudelten die Autor*innen und Teilnehmenden des Kolloquiums ein. Drei Sessions mit insgesamt 17 Diskussionsworkshops standen auf dem Programm. Die Anwesenden teilten sich in Kleingruppen auf und widmeten sich pro Session jeweils einem Beitrag aus dem Sammelband. Die Texte wurden dafür im Vorfeld zur Verfügung gestellt und waren somit schon entsprechend gelesen und vorbereitet. Das große Interesse am Kolloquium hat uns ebenso gefreut, wie die Teilnahme von 12 Autor*innen. Doch nicht jede*r Autor*in hatte die Möglichkeit bzw. Zeit an diesem Wochenende dabei zu sein. In diesen Fällen wurde der Beitrag von einem Mitglied unseres Redaktionsteams vorgestellt. Die Ergebnisse der Diskussionen wurden protokolliert und im Plenum in aller Kürze vorgestellt. So erhielten alle einen (zumindest) kleinen Einblick in die Vielfalt der Texte bzw. den verschiedenen Diskussionen.
Die Pausen dazwischen, insbesondere die gemeinsamen Mahlzeiten, konnten hingegen für allgemeinen Austausch und die Vernetzung untereinander genutzt werden. Nach Monaten der virtuellen Kommunikation entstand so die Gelegenheit, die Gesichter hinter den E-Mailadressen auch mal persönlich kennen zu lernen.

Insgesamt waren wir beeindruckt, wie zielorientiert und engagiert (konstruktiv wie auch nahe an den Texten) diskutiert wurde. Das war für einige ungewohnt, vereinzelt wurde mehr „kritische Würze“ gewünscht. Gleichwohl haben wir von vielen Teilnehmenden – insbesondere von den Autor*innen – sehr positives Feedback erhalten. Ein Autor äußerte beispielsweise begeistert: „Gerade wenn man noch nicht so viel publiziert hat, ist ein so intensiver Austausch, auch mit verschiedenen Fachrichtungen, sehr bereichernd. […] So fühlt sich dieses Sammelbandprojekt nach dem Kolloquium tatsächlich nach etwas an, was in einem stetig kritischen Reflexionsprozess als eine vielfältige Einheit entsteht“.
Abgerundet wurde dieser gelungene Tag durch ein leckeres, gemeinsames Abendessen. Gestärkt konnte danach die Heimreise angetreten werden. Allerdings galt dies noch nicht für uns (dem Redaktionsteam). Für uns hießt es lediglich: Feierabend für Samstag. Mit 19:30 Uhr fühlte sich dies dennoch ungewohnt früh an. So nutzten wir den noch relativ jungen Abend für eine Runde “Stuhltanz” sowie für einen Ausflug zum nächstgelegenen Supermarkt, um uns mit Süßigkeiten einzudecken und den Abend in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen.

Am Sonntag (04.12.) ging es dann darum, wie wir das erfolgte Feedback am Besten in den weiteren Prozess integriert bekommen und wie die Begutachtung durch den wissenschaftlichen Beirat nun konkret gestaltet werden sollte. In der Nachbereitung des Kolloquiums wurde deutlich: Alle Beiträge haben sich bedeutend weiterentwickelt. Gleichwohl kamen bei einigen Beiträgen auch noch grundlegendere Anmerkungen auf, so dass uns teilweise sowie auch einigen Autor*innen selbst eine weitere Schärfung sinnvoll erschien. In dem Fall kann noch bis zum 22. Januar 2017 an den jeweiligen Beiträgen rumgewerkelt werden. Alle anderen Beiträge werden Anfang Januar direkt in die Begutachtung geschickt. Sofern die Autor*innen nicht schon am Wochenende dabei waren, werden wir alle wesentlichen Anmerkungen des Kolloquiums zusammen mit dem Gutachten des Beirates als Anregungen übermitteln. Des Weiteren wurden im Redaktionsteam noch kleine Arbeitsgruppen gebildet und offene Aufgaben verteilt: So werden beispielsweise demnächst die Formalia-Vorgaben noch einmal überarbeitet und vereinheitlicht. Zudem soll bis Februar ein erster Entwurf für ein Vor- und Nachwort verfasst werden.

Unser vorläufiges Fazit: Unser Sammelband nimmt mehr und mehr an Gestalt an. Somit rückt die Veröffentlichung immer näher… Die nächsten Wochen bzw. nächsten drei Monaten werden entscheidend für die inhaltliche Qualität der Beiträge sein. Wir sind gespannt und zugleich überzeugt, dass ein fruchtbares Potential für den weiteren Diskurs um eine Plurale Ökonomik geschaffen wird.
Auch wenn es keine Bauanleitung für einen guten Sammelband zur Pluralen Ökonomik geben mag, so versuchen wir uns doch mutig voran zu tasten, Schritt-für-Schritt. Dabei werden stetig (neue) Ideen entwickelt und natürlich ebenso verworfen bzw. angepasst – wenn wir beispielsweise im Prozess merken, dass bestimmte Dinge nicht so funktionieren wie gedacht oder bestimmte Dinge nicht hinreichend bedacht oder weil Folgeprozesse noch nicht ausreichend konkretisiert wurden. Somit bietet allein schon der Weg hin zum Sammelband viele spannende Möglichkeiten des Experimentierens und der Erfahrungen. Wir haben das prozessorientierte Arbeiten jedenfalls sehr zu schätzen gelernt, wenngleich es auch erfordert sich insgesamt (mehr) Zeit zu nehmen. Hinzu kommt: Aus der Herausforderung, dass (a) die meisten Projektmitglieder bisher kaum bis gar keine Erfahrungen in Bezug auf die Herausgabe einer wissenschaftlichen Publikation hatten und (b) dem hohen Anspruch eines reflexiven und interdisziplinären Austausches, haben wir so eine Stärke entwickeln können. Wir sind dabei dankbar für die großartige Unterstützung und insbesondere für die Bereitschaft aller Mitwirkenden, sich darauf einzulassen. An dieser Stelle gilt es somit mal gaaanz groß Danke zu sagen: Ohne all jene, wäre all dies nicht möglich… Und weiter geht’s! 😉

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