Das Ende ist nah…

Eek! In diesem Blogartikel erfahrt ihr, was passiert, wenn kein Kaffee mehr fließt und warum wir gerade jetzt die größte Herausforderung in unserem Sammelband-Projekt durchlebt haben.

Aber erstmal zurück auf Anfang, da wo der Kaffee noch floss und wir gefühlt von einer Phase zur nächsten hüpften. Voll im Koffeinrausch. Mal hatten wir die Qual der Wahl, mal wurde ordentlich gespiegelt. Stets ging es voran. Holprige Straßen kannten wir nicht…

Seit fast zwei Jahren werkeln wir nun schon gemeinsam an unserem Sammelband-Projekt. Wir, dass heißt unser 21-köpfiges Herausgeber- und Redaktionsteam, unsere 29 Autor*innen und unsere 38 Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats.
Ein ehrenamtliches und studentisches Projekt, dass ursprünglich “klein” und in Folge eines Angebots von Prof. Andrea Maurer startete und sich organisch zu einem immer umfangreicheren und ambitionierten Vorhaben entwickelte. Mittlerweile blicken wir auf über 25x Herausgebertreffen bzw. Online-Austausche, auf 9x Online-Redaktionskonferenzen, 2x Redaktionswochenenden und 1x Kolloquium sowie viele ungezählte Stunden an Vorbereitungs-, Reflexions- und Schreibprozessen zurück. Finanziell unterstützt wird unser Projekt durch Studienqualitätsmittel der Leibniz Universität Hannover.

1. Etappe: Nach dem Start unseres Call for Papers im Dezember 2015 trudelten bei uns insgesamt 45 Exposé ein. Nach einer intensiven Sichtung und einem ersten Redaktionswochenende im Mai 2016 wählten wir abschließend 17 vielversprechende Beiträge aus.

2. Etappe: Im Juni 2016 startete dann die erste Schreibphase. Schon im August erblickten unsere neugierigen Augen daraufhin erste Beitragsentwürfe. An den Texten wurde gleichwohl noch bis Ende November fleißig geschreibselt.

3. Etappe: Anfang Dezember 2016 folgte dann ein erster großer Prüfstein: Auf einem zweiten Redaktionswochenende und öffentlichen Kolloquium wurden die finalen Beitragsentwürfe gemeinsam reflektiert und diskutiert. Daraus versuchte anschließend unser Redaktionsteam ein vorläufiges und grobes Votum als erstes Feedback für die Autor*innen abzuleiten. Das Ergebnis war:

  • Bei drei Beiträgen wurde “kein Änderungsbedarf” (Kategorie A) gesehen, bei fünf Beiträgen nur noch “geringfügige Anpassungen” (Kategorie B) sowie bei neun Beiträgen “grundlegendere Anpassungen” (Kategorie C) empfohlen [siehe Tabelle].

Dabei wurde für uns deutlich, dass wir den Prozess insgesamt individueller gestalten sollten um den unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Beiträge besser gerecht werden zu können. Daher erhielten die Autor*innen noch einmal zusätzlich Zeit für Überarbeitungen bzw. insbesondere bei Beiträgen der Kategorie C baten wir darum. Der wissenschaftliche Beirat sollte nämlich nur fertige bzw. finale Beiträge erhalten.


Doch mit Beginn der 4. Etappe im Januar 2017 spürten wir immer mehr, dass wir uns mittlerweile auf einem teils ziemlich holperigen Straßenabschnitt befanden. Im zweiten Teil der Begutachtungsphase verstärkten sich die unterschiedlichen Geschwindigkeiten nämlich weiter. Einige Autor*innen benötigten für ihre Überarbeitungen länger, ebenso wie einige Gutachter*innen mehr Zeit als ursprünglich angedacht benötigten. Vereinzelt mussten wir zudem für einige Gutachter*innen noch kurzfristig einen Ersatz finden, da diese ihre Zusage aufgrund von Arbeitsüberlastung komplett zurückziehen mussten. Doch über diese einzelnen Schlaglöcher hüpften wir noch relativ problemlos. Zumal es eben immer mal passieren kann. Auch der Kaffee in uns wirkte noch…

Eine weit größere Herausforderung bestand allerdings darin, dass sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 einiges in unserem Herausgeberteam getan hatte. Nicht personell (abgesehen davon, dass sich unser Herausgebendenteam verstärkt hat), sondern vor allem räumlich: Ein Teil unseres Kernteams war aus Hannover weggezogen und hatte sich über Deutschland verteilt, andere schrieben an ihrer Abschlussarbeit oder waren mit einem Auslandssemester beschäftigt. Auch in unserem Redaktionsteam fanden teilsweise ähnliche Entwicklungen statt. Das bedeutete einerseits teils persönliche Neuorientierungen, anderseits mussten wir Herausgebende auch unsere gewohnte Kommunikation umstellen und lernen uns fortan fast ausschließlich mittels Online-Konferenzen, E-Mails und unserem basecamp-Projekt zu organisieren. Sowas mag zwar funktionieren, aber allgemein lässt sich damit nicht mehr so toll gemeinsam Kaffee trinken. Allein die Technik erschwert dies erheblich, denn irgendwo muckt es immer. So holperten wir auch über Schlaglöcher wie kommunikative Missverständnisse, eine allgemein nachlassende Motivation sowie unerledigte Aufgaben und zu späte Vorbereitungen der nächsten Arbeitsschritte. Durchgeschüttelt traten wir dann Ende März gemeinsam auf die Bremse. All dies führte letztlich dazu, dass sich der Abschluss der Begutachtungsphase um volle drei Monate verzögerte.

Jedoch haben wir uns mittlerweile erfreulicherweise wieder aufgerappelt. Der Kaffee fließt wieder und die Straße unseres Prozesses ist allgemein wieder entspannter befahrbar geworden. Die Endredaktion in Sichtweite.


Begutachtungsphase: Vorgehen, Ergebnisse & Reflexionen

Vorgehen | In unserem Redaktionsteam hatten wir die Beiträge schon frühzeitig untereinander aufgeteilt, damit der Arbeitsumfang für jede*n von uns möglichst handhabbar blieb. Jeder Beitrag wird daher von einem sogenannten Hutträger*in betreut. Die Hutträger*innen sind u.a. für die Kommunikation mit den jeweiligen Autor*innen sowie für die inhaltliche Begleitung zuständig und werden organisatorisch teils noch von weiteren Redaktionsmitgliedern unterstützt. Zudem gibt es sogenannte Betreuer*innen, welche sich um die Kommunikation mit den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirat kümmern.
Eine Begutachtung erfolgte (a) vorab durch unser Kolloquium im Dezember 2016 sowie (b) maßgeblich durch die Gutachten unseres wissenschaftlichen Beirats. Letzteres haben wir ähnlich eines Peer-Review-Verfahrens organisiert. Die Beiträge wurden anonymisiert und unabhängig von jeweils zwei Wissenschaftler*innen inhaltlich und argumentationstechnisch geprüft. Wir entwickelten dafür ein Gutachten-Formular [PDF-Dokument], welches eine möglichst kritisch-konstruktive und unvoreingenommen Reflexion fördern sollte. In Fällen von klärungsbedürftigen oder stark abweichenden Einschätzungen, forderten wir noch ein Drittgutachten an. An dieser Stelle möchten wir uns für die große Unterstützungsbereitschaft bedanken, ohne dieser relativ aufwendige Prozess gar nicht möglich gewesen wäre. Die Gutachten geben jedenfalls wertvolle Impulse für eine abschließende Stärkung der Beiträge.

Tabelle: Ergebnisse der Begutachtungsphase [aktual.]

Ergebnisse | Die Voten aller Begutachtungen haben wir grafisch aufbereitet und sollen einen groben Überblick über die Ergebnisse bieten [siehe Tabelle, Stand: 08.06.2017]:

Mittlerweile liegen uns alle 42 Gutachten vor. Davon sahen drei Gutachten (7,2%) ihren begutachteten Beitrag als final an. Fünf Gutachten (11,9%) gaben “keine eindeutige Empfehlung” ab, merkten also lediglich unterschiedlich tiefgreifende Änderungsmöglichkeiten an. Hingegen empfahlen sechzehn Gutachten (38,1%) konkret “geringfügige Änderungen” sowie achtzehn Gutachten (42,8%) “grundlegende Überarbeitungen”.

  • RT = Votum des Redaktionsteam auf Grundlage der Reflexionen im Kolloquium; Zu beachten ist, dass danach einige Beiträge noch eine Überarbeitung erfahren haben, bevor die Gutachten erstellt wurden (siehe Etappe 3)
  • Gutachten = Einschätzungen des wissenschaftlichen Beirats, unabhängig vom Redaktionsteam-Votum

Voten:

  • dunkelgrün = keine Überarbeitung nötig
  • hellgrün = geringfügige Überarbeitung nötig
  • gelb = grundlegende Überarbeitung nötig
  • blau = keine eindeutige Empfehlung abgegeben

Reflexionen | Dies macht zweierlei deutlich: Einerseits kann daraus geschlussfolgert werden, dass einige Beiträge ihr qualitatives Potential noch nicht vollends erreicht haben. Anderseits, und dies scheint – unserer Meinung nach – eine vertiefende Reflexion wert, sind die Voten in Bezug auf den jeweiligen Beitrag teilweise durchaus vielfältig bis widersprüchlich ausgefallen. Sicherlich, wir betrachten hier ausdrücklich nur grobe Voten. Die teils umfangreichen Anmerkungen und Anregungen in den Gutachten würden ein erheblich differenzierteres Bild aufzeigen können. Gleichwohl scheint es uns auf eine zentrale Herausforderung hinzuweisen, die in dem Anspruch einer Pluralen Ökonomik steckt: Es gilt einen angemessenen Umgang mit unterschiedlichen wie auch neuen Perspektiven zu finden, der zugleich offen gegenüber Zugängen aus anderen Diziplinen bleiben muss sowie dies mit guter empirischer Arbeit und schlüssiger wissenschaftlicher Argumentationen zu verbinden vermag. Wir können mit unserem Projekt dazu keine endgültige Antwort liefern, wohl aber zumindest einen Impuls für anknüpfende Reflexionen geben.


Nachdem die Beitragsentwürfe vom wissenschaftlichen Beirat auf “Herz und Nieren” geprüft wurden, waren wieder unsere Hutträger*innen am Zuge. Ihre Aufgabe bestand, aus den Gutachten die uns relevant scheinenden Kernpunkte herauszudestillieren. Also eine Einordnung und Zusammenfassung vorzunehmen um den Autor*innen eine Orientierungshilfe geben zu können sowie zugleich auch unseren Erwartungshorizont deutlich zu machen. Dabei wurden auch Anmerkungen aus dem Kolloquium berücksichtigt. Eine Abnahme erfolgte letztlich durch uns Herausgebende. Die Kernpuknte wurden dann zusammen mit den jeweils anonymisierten Gutachten sowie unserem aktualisierten Formalia-Leitfaden [PDF-Dokument] an die Autor*innen gesendet.

Mit dem Beginn der Schreibphase III befinden wir uns aktuell in der 5. Etappe unseres Projekts. Unsere Autor*innen erhalten jetzt noch einmal die Möglichkeit letzte inhaltliche Anpassungen an ihren Beiträgen vorzunehmen. Änderungen im Text sollen dabei farblich hervorgehoben werden. Zudem haben wir um eine kurze Erläuterung gebeten, falls einzelne Kernpunkte bzw. Anmerkungen vom Autor*in nicht für sinnvoll befunden oder gar als falsch ablehnt werden sollten.

In der anschließenden Reflexionsphase werden wir die überarbeiteten Beiträge im Hinblick auf die jeweiligen Kernpunkte überprüfen sowie optional werden auch einige Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats auf einzelne Beiträge schauen. Danach folgt noch ein kleines Zeitfenster für einen letzten Feinschliff. Hierbei sollen allerdings keine inhaltlichen Änderungen mehr vorgenommen werden, sondern lediglich letzte Formulierungen sowie die Stärkung des Sammelband-Gesamtkontextes stehen im Fokus.
Für Herbst 2017 ist dann unsere Endredaktion angedacht, so dass danach die Abnahme durch den Verlag erfolgen kann. So zumindest unser aktueller Plan.

Das Ende ist also durchaus nah. Zumindest in Bezug auf die Veröffentlichung unseres pluralen Sammelbandes. Darauf gönnen wir uns jetzt erst einmal eine Tasse Kaffee.

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