"Das Moneyfest" Diskussion

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Dieses Thema enthält 16 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von   vor 2 Jahre, 7 Monate.

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  • #1318

    Christopher Steiner

    Ergänzend zur gestrigen Diskussion folgende Anregungen:

    zu 2.-5.: Die genannten Forderungen zur Regulierung der Finanzbranche betrachte ich nahezu ausnahmslos als richtig. Allerdings wäre es m.E. in diesem Zusammenhang dringend geboten, die Regulierung bzw. Austrocknung von Schattenbanken als eigenenständigen Punkt zu ergänzen, da im Zuge der (zugegebenermaßen insgesamt noch sehr bescheidenen) Regulierung der normalen Banken das Geld zunehmend in den Bereich der Schattenbanken abgewandert ist. Derivate werden nahezu vollständig außerbörslich gehandelt etc.. Die Risiken dieses gigantischen Spekulationsvolumens werden in der Öffentlichkeit massiv unterschätzt. Sie müssen transparent gemacht und minimiert werden.

    zu 5.: Eine Schrumpfung des Finanzmarktsektors ist uneingeschränkt richtig, allerdings halte ich ein generelles Verbot von Kreditausfallversicherungen hierzu nicht für zwingend erforderlich. Zwar sollte man sich keine Illusionen über die “Kreativität” der Finanzbranche im Hinblick auf mögliche Umgehungsstrategien bei entsprechender Regulation machen, allerdings ist der Kauf einer Versicherung als solches erst einmal unproblematisch. Der Kauf einer Kreditausfallversicherung hat nichts “Schädlich-Spekulatives” an sich, sofern sich das jeweilige Versicherungsobjekt (über den gesamten Versicherungszeitraum) im Eigentum des Versicherungsnehmers befindet, da er in diesem Fall kein Interesse am Eintritt eines Schadensfalls haben kann. Im Hinblick auf die allgemeine Vertragsfreiheit halte ich ein generelles Verbot von Kreditausfallversicherungen, denen ein individuell-rationales Verlustrisiko zugrunde liegt, daher nicht für verhältnismäßig. Es leuchtet zudem nicht wirklich ein, weshalb der Kauf einer entsprechenden Versicherung bei einem Versicherer abseits der Kapitalmärkte kein Problem darstellen soll, ein vergleichbares Geschäft over the counter bzw. an der Börse hingegen so gesellschaftsschädlich sein soll, dass man es komplett verbieten müsste. Eine Umsetzung der übrigen Maßnahmen unter 5. würden das Handelsvolumen bereits radikal reduzieren.

    zu 10.: Die Vorstellung, einzelne Länder der Euro-Zone könnten nach eigenem Gutdünken mal eben Parallelwährungen einführen, halte ich (als Nichtjurist) sowohl im Hinblick auf die geltende Vertragslage der EU als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten für realitätsfern. Es ist ja gerade der Sinn einer Wirtschafts- und Währungsunion, Handelshemmnisse abzubauen. Würde etwa Griechenland tatsächlich eine Parallelwährung einführen, die dann gegenüber dem Euro massiv abwerten würde, würden die anderen EU-Länder vermutlich umgehend eine Vertragsverletzungsverfahren anstrengen, da sie aufgrund dieser Wettbewerbsverzerrung ihre Produkte in Griechenland nicht mehr bzw. nur noch sehr eingeschränkt verkaufen können. Ich gehe auch davon aus, dass das EU-Vertragswerk gewissermaßen einen Exklusivitätsanspruch für den Euro als offizielle Währung innerhalb der Euro-Zone vorsieht, da ansonsten jedes Land, für das der Euro als Währung “zu hart” ist, aufgrund des Wettbewerbs- bzw. Abwertungsdrucks einen Anreiz hätte, eine entsprechende Parallelwährung einzuführen, um damit für den eigenen Markt eine protektionistische Politik zu betreiben. Da dies real nicht der Fall ist, gehe ich davon aus, dass dies weder politisch durchsetzbar noch rechtlich möglich ist. Auch müsste man sich bei Einführung von mehreren Parallelwährungen in handelsdefizitären Euro-Ländern (wettbewerbsfähige Länder profitieren vom Euro, hätten insoweit also kein Interesse an der Einführung einer Parallelwährung) die Frage stellen, was dann mit dem Euro insgesamt passieren würde. Das wäre wissenschaftlich sicherlich ein interessantes Szenario. Es bestünde evtl. die Möglichkeit einer massiven Auf- bzw. Abwertung des Euros, da er einerseits primär von den wirtschaftlich starken Staaten innerhalb der Euro-Zone gehandelt würde, andererseits die Nachfrage nach dem Euro in den wirtschaftlich schwächeren Ländern vermutlich stark zurückgehen würde.

    #1362

    rb90
    Keymaster

    Hallo Christopher,

    interessante Ergänzungen. Kurz zu These 10: Es gibt ja bereits verschiedenste Regoinalwährungen z.B. in Deutschland, natürlich in sehr kleinem Maßstab, aber ja anscheinend rechtlich umsetzbar. Auch in Hannover gibt es ja eine Intiative für Regiogeld (Hannofairgeld).

    #1363

    rb90
    Keymaster

    Als Literaturempfehlungen zur Vertiefung der Theamtik haben wir vom Referenten noch folgende Titelübersicht bekommen:

    > T. Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert (2014)
    > F. Martin: Geld, die wahre Geschichte (2014)
    > M. Lewis: Flash boys (2014)
    > H. Peukert: Das Moneyfest. Ursachen und Lösungen der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise (2013)
    > H. Peukert: Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise. Eine kritisch-heterodoxe Untersuchung (2013)
    > J.K. Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation (2010)

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